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"Die erste Schlachtung war eine Schnapsidee"

Schönauer Singverein "Freiheit" veranstaltete zum 35. Mal sein Schlachtfest - Lieb gewonnene Tradition enstand aus einer Laune heraus

Der in Wilhelmsfeld beheimatete Künstler Matthias Hickel-Lopez ließ es sich nicht nehmen: Zum wiederholten Male nahm er zusammen mit seiner Frau Katja Cyliax am Schlachtfest des Schönauer MGV Singverein "Freiheit" teil. Im modernen Sängerheim in der Nähe des ehemaligen Bahnhofs seien es besonders "die Atmosphäre, die freundlichen Menschen und die nicht alltägliche Situation" die ihn hierher lockten. Aus diesem Grund blieb an diesem Tag nicht nur beim weit gereisten Kunstschaffenden die Küche kalt.

Ähnlich sahen dies auch die Gemeinderätinnen des Klosterstädtchens, Karin Lauer und Annette Gärtner, sowie Ratskollege Manfred Hesse, zumal der Gesangverein bereits zum 35. Mal diese Veranstaltung organisiert.

Zurück geht dieses Ereignis auf einen feuchtfröhlichen Ausflug nach Godramstein in der Pfalz, wie Vorsitzender Rolf Ritter, der bekanntlich als wandelndes Lexikon im Verein gilt, der RNZ erzählte. Zu fortgeschrittener Stunde und nach mehr als einem Gläschen Rebensaft kam man damals auf die Idee, selbst einmal ein Schwein zu schlachten. Wie der 71-jährige noch wusste, nahm dann sein Vater Franz als damaliger Vorsitzender das Heft in die Hand und fand in dem heutigen Ehrenmitglied Dieter Schäfer sogleich einen begeisterten Mitstreiter. Der mittlerweile 81-jährige aktivierte seinen Schwager und damit einen anerkannten Hausmetzger. Da Schäfer als Ur-Schönauer der "Liebe" wegen das Steinachtal hinauf nach Heiligkreuzsteinach zog, aber immer noch jede Singstunde "im Tal" besucht, fanden die ersten Schlachtfeste in der dortigen Grillhütte statt.

Anno 2003 konnten die Mitglieder dann mit dem erstellten Sängerdomizil das gesamte Equipment benutzen. Für die Besucher bedeutete dies, dass sie sich fortan in den Räumen beider Etagen verteilen konnten. Zusätzlich nutzten die Besucher jetzt beim Schlachtfest auch die frühlingshaften Temperaturen bei strahlendem Sonnenschein, um vor dem Haus das angebotene Drei-Gang-Menü zu genießen, was man mit "Kaffee und Kuchen-Nachschlag" abrunden konnte, ohne auf die diversen Schnäpse "als ultimatives Verdauerle" zu verzichten.

Mittlerweile benötigt man aufgrund der großen Nachfrage zwei Schweine, die der ehemalige Metzger Bernd Braun schlachtet. Unterstützt von der "neuen Generation" fand bereits in aller Frühe die mundgerechte Zubereitung statt, erläuterte der Vorsitzende das Prozedere. Er vergaß dabei nicht, den Nachwuchs aus dem Ensemble "Next Generation" für ihr Engagement über den grünen Klee zu loben. Zum Auftakt servierten die jungen Mitglieder, die zuvor von Nina und Lutz Edelmann eingeteilt worden waren, in kleinen Terrinen die schmackhafte "Wurstsuppe". Es folgten leckerer Schweinepfeffer und als Krönung eine fulminante Schlachtplatte mit Kesselfleisch, Blut- und Leberwurst inklusive Sauerkraut und jede Menge Brot. Und wem das nicht genügte, der konnte noch Dosenwurst erstehen, um sich jene in aller Ruhe zu Hause schmecken zu lassen.